Innovation, Transformation und Integration: Die Universität Erfurt über die Vorteile der digitalen Prüfungen

Hintergrund und Kontext  

Seit ihrer Neugründung im Jahr 1994 hat sich die Universität Erfurt mit einem expliziten kultur- und gesellschaftswissenschaftlichem Profil in der nationalen und internationalen Hochschullandschaft fest etabliert. Mit ihren Schwerpunkten in den Bereichen Religion, Geistes- und Kulturwissenschaften, Gesellschaft und Lehrerbildung ist sie eine zentral gelegene Bildungs- und Forschungsstätte mit circa 6.000 Studierenden, rund 100 Professuren sowie ca. 400 wissenschaftlichen Beschäftigten und 300 Beschäftigten in der Verwaltung. 

Die Universität Erfurt nutzt WISEflow seit 2020. 

Im Folgenden finden Sie einen Bericht von Prof. Dr. Gerd Mannhaupt, Vizepräsident für Studienangelegenheiten und Direktor der Erfurt School of Education an der Universität Erfurt.

Katalysator für Veränderung  

Zu Beginn möchte ich festhalten, dass der Grund für die Einführung digitaler Prüfungen in Erfurt nicht nur die Corona-Pandemie war. An unserer Universität haben wir schon etwa zwei Jahre vor dem Auftreten von Corona über digitale Prüfungen diskutiert. Vor allem diejenigen Kolleginnen und Kollegen, die Prüfungen mit vielen Studierenden durchführten und dabei keine elektronische Unterstützung hatten, sprachen sich dafür aus. Einige von ihnen nutzen vor allem Multiple-Choice-Tests und eine digitale Klausur ist da sehr viel einfacher zu realisieren als eine Klausur mit Stift und Papier. Wir waren also bereits auf der Suche nach einer Lösung.  

Ich persönlich wollte schon lange weg von gedruckten, schriftlichen Arbeiten. In der Vergangenheit mussten mir alle Studierenden eine E-Mail mit einer oder mehreren PDF-Dateien senden: Alles musste mir elektronisch eingereicht werden. Aus meiner Sicht ging es nicht nur darum, die Klausuren elektronisch durchzuführen, sondern den gesamten Prüfungsprozess zu digitalisieren. Und das war der entscheidende Grund: In diesem Bereich liegt die Stärke von WISEflow. Meine Recherchen hatten ergeben, dass es ansonsten für uns nicht viele Alternativen gibt. Wir haben uns für WISEflow entschieden, weil es viel mehr als eine Prüfungssoftware für elektronische Fernklausuren ist. Uns gefiel, dass wir die automatische Texterkennung mit dem Antiplagiatsdienst aktivieren konnten, der in unserer Lizenz enthalten ist.   

Auswahl eines Systems und Datenschutzrichtlinien  

Von Anfang an haben wir gemerkt, dass WISEflow von einer Universität entwickelt wurde. Alles, worüber man sich als Prüfende und Dozierende an einer Universität Gedanken macht, ist darin zu finden. Und zwar von Anfang an. Deswegen denke ich, dass jeder, der einmal mit WISEflow gearbeitet hat, keine andere Lösung akzeptieren wird.  

Ich glaube nicht, dass es ein Open-Source-System geben wird, das auch nur annähernd mit der Leistung von WISEflow mithalten kann. Als wir über die Einführung digitaler Prüfungen nachdachten, fragte ich den Leiter unseres Rechenzentrums, der für alle IT-Angelegenheiten zuständig ist: „Wie lange würde es dauern, unser eigenes Prüfungsmodul zu entwickeln?“ Er antwortete, mindestens zwei Jahre. Ich bin der Ansicht, zwei Jahre würden nicht ausreichen. Dies sind in Handarbeit erstellte Systeme und wenn eine Lehrkraft sagt: „Ich will das so und so,“ dann wird das programmiert. Und dann kommt die nächste Person und sagt: „Ich brauche aber etwas anderes.“ Alle Hochschulen, die sich für den Aufbau eines eigenen Systems entschieden haben, stellen fest, dass zwei Jahre nicht ausreichen. Keine Universität kann aus eigenen Stücken dieselben Funktionen entwickeln, die WISEflow bietet.  

Das ist auch nicht nur eine Frage der Zeit – die Entwicklung eines eigenen Systems erfordert eine Menge Ressourcen. Was die Kosten anbelangt, war und ist WISEflow ein vergleichsweise kostengünstiges System. Es wäre für uns dumm gewesen, anders zu entscheiden.  

Schon früh im Prozess haben wir den Landesbeauftragten für den Datenschutz miteinbezogen, bereits im Juli 2020, vor dem ersten Prüfungszeitraum. Das Thüringer Hochschulgesetz wurde inzwischen dahingehend geändert, dass auch elektronische Prüfungen möglich sind. Es enthält nun genau das, was wir benötigen, um unseren Betrieb sinnvoll zu gestalten. Auch unsere Prüfungsordnung haben wir angepasst. Diese gibt zum Beispiel vor, wie elektronische Prüfungen durchzuführen sind. All das ist nun Teil des allgemeinen, dauerhaften Prüfungsrechts an der Universität Erfurt.

WISEflow verwendet AWS-Server, die in einer Cloud gehostet werden, der gesamte Verarbeitungsprozess verläuft ausschließlich in verschlüsselter Form. Der Landesbeauftragt für den Datenschutz hat den Prozess geprüft und zugelassen. 

Aus meiner Perspektive erfahren wir wöchentlich von einer öffentlichen Einrichtung, die auf irgendeine Weise kompromittiert wurde. Keiner sagt jetzt, dass der Standort der Server infolge dieser Verletzungen in Thüringen liegen muss. Man darf sich nicht einbilden, sicher zu sein, nur, weil die Backups lokal gespeichert werden, oder? Man kann ein gutes Sicherungssystem haben, in das vielleicht die Daten des letzten Tages vor einer Cyber-Attacke hochgeladen werden, aber im Grunde sind lokale Server auch nur so sicher oder unsicher wie die Server, die AWS in Irland betreibt. Wo liegt also der Unterschied? Die AWS-Server sind sicherer, weil dort mehr Know-how über Sicherheitstechnologien vorhanden ist. Das wäre mein Argument. 

Dies ist nur ein kurzer Auszug aus dem Beginn unserer Fallstudie mit der Universität Erfurt. Die vollständige Fallstudie ist als PDF verfügbar und kann hier abgerufen werden.

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